Friday, November 4, 2011

Jihad

Dieser Artkel wurde von Schwester Aisha Musa verfasst.

Jihad

Einer der am meisten missverstandenen Aspekte des Islam ist seine Haltung zum Kämpfen. Dies resultiert aus einer weitverbreiteten generellen Unkenntnis des Islam und einer Neigung, das gewalttätige Verhalten von Gruppen und Einzelnen, die nur vom Namen her mit dem Islam verbunden sind, als stellvertretend für den Islam als ganzes zu betrachten. Für Muslime enthält der Quran Gottes eigene Worte und ist nicht das Werk von inspirierten Menschen. Deshalb ist er die endgültige Autorität, die die Glaubenssätze und die Gebräuche des Islam festlegt.

Oft nehmen Menschen Verse oder Versteile aus dem Quran, wobei sie dabei den Zusammenhang und die umgebenden Verse missachten, um den Islam kriegerisch und gewalttätig erscheinen zu lassen, oder um Feindseligkeit und Aggression zu rechtfertigen. Doch eine genaue Untersuchung des Quran ergibt eine sehr andere Sicht.

Das Wort „jihaad" ist den meisten Amerikanern und Europäern bekannt und scheint Bilder von wild blickenden Fanatikern zu beschwören, die Unglüubige in einem Heiligen Krieg abschlachten. Doch was ist das quranische Konzept des jihaad, und wie verhält es sich zu Krieg und Kampf? Es gibt im Quran kein Konzept von Heiligem Krieg (al-Harb al-muqaddas).

Das Substantiv „jihaad"kommt an vier Stellen des Quran vor. Das Verb „jaahada" (sich anstrengen, sich bemühen) kommt in verschiedenen Formen 29 mal vor. Keines davon bezieht sich direkt auf das Kämpfen, geschweige denn auf speziell militärische Handlungen.

In 14 der 29 Fälle, in denen das Verb „jaahada" im Quran erscheint, wird das Streben für Gottes Sache in einem sehr allgemeinen Zusammenhang verwendet, als eine Eigenschaft derer, die glauben. Viele dieser Verse haben einen beinahe gleichen Wortlaut:

alatheena amanuu wa haajaruu wa jaahaduu fi sabeelallah bi amwalihim wa anfusihim (jene, die glauben und ausgewandert sind und sich auf dem Wege Gottes mit aller Kraft einsetzen). (2:218; 3:142; 5:57; 8:72,74,75; 9:16,20,44,88 ; 16:110; 29:6,69; 49:15). Zwei andere Stellen sagen aus, wie Heuchler es hassen, sich für Gottes Sache anzustrengen, und versuchen, es zu vermeiden (9:81, 86). Dort, wo der Quran die Anstrengung befiehlt, gibt es keinen Bezug zur Kriegführung (5:38, 9:41,73, 22:78, 25:52, 66:9).

Die Verse 29:8 und 31:15 geben den Gläubigen die Erlaubnis, Eltern ungehorsam zu sein, die sie zwingen (jaahada) wollen, Gott etwas zur Seite zu stellen. Selbst unter solchen Umständen wird dem Gläubigen befohlen, rücksichtsvoll und gerecht den Eltern gegenüber zu sein.

Wir lernen aus dem Quran, dass die Gläubigen willens sein müssen, grosse Anstrengungen für die Sache Gottes zu unternehmen, indem wir unseren Reichtum und uns selbst einsetzen. Diese Anstrengungen (jihaad) können Kampf (qitaal) miteinschliessen oder auch nicht. Der Kampf wird nur unter gewissen Bedingungen gefordert, und auch dann wird er im Quran streng geregelt.

Ein oft missbrauchter Vers ist 2:216: „Zu kämpfen ist euch vorgeschrieben, auch wenn es euch widerwärtig ist. Doch es mag sein, dass euch etwas widerwärtig ist, was gut für euch ist, und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, was übel für euch ist. Und Gott weiss es, doch ihr wisset es nicht."

Doch dies ist bei weitem nicht der einzige Vers, der sich mit dem Kämpfen befasst. Was sagt der Quran ausserdem über das Kämpfen? Wann, wo, weshalb, wie und mit wem ist das Kämpfen erlaubt? Wir sehen, dass das Kämpfen in diesen Worten befohlen wird:

„Und kämpft auf dem Weg Gottes gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Gott liebt nicht diejenigen, die übertreten. - Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stosst, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Töten. Und kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie aber gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen." (2:190-191, Unterstreichungen hinzugefügt)

Diese Verse befehlen, nur gegen die zu kämpfen, die euch bekämpfen, und legen somit nur den Verteidigungskampf nahe. Dies wird durch die unmittelbar nachfolgenden Verse gestützt: „Wenn sie aber aufhören, so ist Gott Allverzeihend, Barmherzig. - Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung (mehr) gibt und die Religion Gott gehört. Wenn sie aber aufhören, so soll es keine Gewalttätigkeit geben ausser gegen diejenigen, die Unrecht tun." (2:192-193, Unterstreichungen hinzugefügt)

Jedoch ist der Kampf nicht nur auf Selbstverteidigung beschränkt, sondern schliesst auch die Verteidigung anderer mit ein:

„Und was ist mit euch, dass ihr nicht für Gottes Sache kämpft und für die der Schwachen - Männer, Frauen und Kinder -, die sagen: „Unser Herr, führe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner ungerecht sind, und gib uns von Dir einen Beschützer, und gib uns von Dir einen Helfer."?" (4:75, Unterstreichungen hinzugefügt)

Der Quran gibt an, wen man bekämpfen soll, wie wir in 2:193 sahen. Er beschreibt auch genau spezielles Verhalten dieser Personen, das es rechtfertigt, sie zu bekämpfen:

„Und damals schmiedeten die Ungläubigen gegen dich Pläne, dich gefangen zu nehmen oder dich zu ermorden oder dich zu vertreiben... - Die Ungläubigen geben wahrlich ihr Vermögen (dafür) aus, um von Gottes Weg abzuhalten... - Es sind jene, mit denen du einen Bund geschlossen hast; dann brechen sie jedesmal ihren Bund, und sie fürchten (Gott) nicht... - Wenn sie aber nach dem Vertrag ihre Eide brechen und euren Glauben angreifen, dann bekämpft die Anführer des Unglaubens - sie halten ja keine Eide -, so dass sie davon ablassen. - Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide gebrochen haben und die den Gesandten zu vertreiben planten - sie waren es ja, die euch zuerst angegriffen haben?" (8:30, 36, 56, 9:12-13, Unterstreichungen hinzugefügt). Zu wissen, wann man den Kampf beendet, ist ebenfalls entscheidend und wird im Quran klipp und klar beschrieben:

„Und kämpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann und (kämpft), bis sämtliche Verehrung auf Gott allein gerichtet ist... - Und wenn sie jedoch zum Frieden geneigt sind, so sei auch du ihm geneigt und vertraue auf Gott. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allwissende." (8:39, 61, Unterstreichungen hinzugefügt)

Schliesslich verlangt der Quran gute Beziehungen zu all denen, die ihre Verträge einhalten und nicht gegen die Muslime kämpfen:

„Solange diese euch die Treue halten, haltet ihnen die Treue. Wahrlich, Gott liebt diejenigen, die (Ihn) fürchten. - Gott verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Gott liebt die Gerechten." (9:7, 60:8, Unterstreichungen hinzugefügt)

Diese und andere Verse im Quran stellen klar, das der Kampf als Selbstverteidigung oder zur Verteidigung der Schwachen und Unterdrückten erforderlich ist. Aber Aggression (Angriff) ist verboten, und der Kampf ist nur gegen direkt Kämpfende oder ihre aktiven Unterstützer erlaubt.

entnommen aus
http://web.archive.org/web/20060807010351/http://www.free-minds.org/german1.htm

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